Eltern tun immer ihr bestes.
«Eltern überfordern sich heute selbst, sagt der dänische Bestseller-Autor und Familienexperte Jesper Juul. Kinder werden zunehmend als Projekt gesehen, in ihrer Entwicklung normiert und haben zu wenig Freiraum. Glücklich wird damit niemand.» (Auszug aus einem Artikel von "Die Presse"/Doris Kraus)
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Juul geht davon aus, dass ein Kind von Geburt an sozial und emotional ebenso kompetent ist wie ein Erwachsener. Diese Kompetenz, die sich entsprechend der kindlichen Reife äussert, muss ihm nicht erst durch Erziehung beigebracht werden. Traditionelle Erziehung benutzt nach Juuls Auffassung überwiegend verbale Strategien. Dabei wird ignoriert, dass Kinder Verhalten durch Imitation lernen. Kinder müssen beobachten und experimentieren dürfen, dann fügen sie sich durch Nachahmung in die Kultur ein. So kooperieren Kinder. Ein ständiger Strom von Ermahnungen und Erklärungen bewirkt, dass das Kind sich dumm oder falsch fühlt. Auch wenn der Umgangston eher freundlich und verständnisvoll ist, wird damit die Botschaft gesendet: „Du bist nicht richtig!“ und so dem Selbstbild und dem Selbstwertgefühl des Kindes großer Schaden zugefügt.
Jedes auffällige Verhalten von Kindern und Jugendlichen kann man laut Juul auf zwei Ursachen zurückführen: Entweder haben Erwachsene die kindliche Integrität verletzt, oder die Kinder haben übermäßig kooperiert. Eltern und Experten konzentrieren sich regelmäßig auf das unangepasste Verhalten. Juul plädiert dafür, Kindern auf eine andere Art und Weise zu begegnen. Sein Konzept ist, herauszufinden, „wer das Kind ist“ und nicht zu erklären, „warum es sich so verhält“. Dieses Vorgehen hält Juul für den einzigen Weg, eine tragfähige Eltern-Kind-Beziehung herzustellen.
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