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Definition des Begriffs «Neurodidaktik»:
Der Begriff Neurodidaktik fasst diverse, praxisorientierte Ansätze zusammen, welche didaktische und pädagogische Konzepte vorschlagen, welche unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der Neurowissenschaften und insbesondere der neueren Gehirnforschung entwickelt wurden. Dies beinhaltet die Absicht, das Gehirn beim Lernen so einzusetzen, wie es die Natur vorgesehen hatte. Siehe dazu auch die Definition des Begriffes «gehirn-gerecht».

pro und contra zur Neurodidaktik
Sie werden wahrscheinlich mindestens so viele und lange Abhandlungen darüber finden, was diesen neurodidaktischen Ansatz fragwürdig erscheinen lässt, wie solche die sich im Positiven damit befassen. Uns scheint der Gedankenanstoss wichtig. Renate Nummela Caine beschreibt beispielsweise einige aus der Gehrinforschung abgeleitete Lern-Prinzipien.

► Schüler müssen die Möglichkeit haben, konkrete Erfahrungen zu machen.
► Wenn Lernprozesse in soziale Situationen eingebunden sind, sind sie effektiver.
► Lernprozesse sind effektiver, wenn die Interessen und Ideen der Lernenden berücksichtigt werden.
► Lernen ist effektiver, wenn das vorhandene Vorwissen mobilisiert wird. Werden positive Emotionen in das Lernen eingebunden, ist es effektiver.
► Verstehen Schüler, wie die erlernten Details mit einem Ganzen zusammenhängen, können sie sich die Details besser einprägen.
► Mit der entsprechenden Lernumgebung wird das Lernen intensiver.
► Lernen wird verbessert, wenn Zeit zum Reflektieren bleibt.
► Es wird besser gelernt, wenn Schüler Informationen und Erfahrungen miteinander verbinden können.
► Lernprozesse sind effektiver, wenn auf individuelle Unterschiede der Lernenden eingegangen wird.
► Schüler lernen besser, wenn sie eine unterstützende, motivierende und herausfordernde Umgebung haben.
► Es wird effektiver gelernt, wenn Talente und individuelle Kompetenzen berücksichtigt werden.

Und das bedeutet für unser Lernen und Lehren heute?
Ob Sie nun der Neurodidaktik kritisch gegenüber stehen oder nicht: Die obigen Punkte können so falsch nicht sein. Mit den oben aufgeführten Aspekten werden andere Schwerpunkte bei Lernprozessen benannt und hervorgehoben, als dies z.B. die Lerntheorie tut. Nun - im Management-Umfeld würden ich viele dieser Punkte mit dem Begriff "soft factors" in Zusammenhang bringen. Es geht bisher also nicht um Methodik an sich. Grundsätzlich geht es aber immer noch um die selbe Frage, die wir bereits in unserem Artikel zu gehirn-gerecht gestellt hatten: Was tut also das Gehirn von Natur aus? Nun wissen wir mehr darüber, unter welchen Umständen unser Gehirn gut arbeitet. Der nächste 'Evolutions-Schritt' ist es, dass konkrete Methoden und Voraussetzungen formuliert werden, welche das lernende Gehirn unterstützen. Kooperatives Lernen untersützt den Lernprozess beispielsweise aus sozialer Sicht. Die (Heraus-)Forderung ist es darüber hinaus, das was die Neurologen 'technisches' über unser Gehirn herausfinden in die Praxis zu transferieren. Wir haben schon damit angefangen. Und Sie?

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